EPHEMERIS Laudatio
Laudatio von Generaldirektor Dr. Kammel anlässlich der Eröffnung:
Meine sehr geehrten Damen und Herren, verehrte Freunde des Bayerischen Nationalmuseums, ich heiße Sie herzlich willkommen zum heutigen Abend in unserem Haus zur Eröffnung einer Ausstellung mit dem Namen „Ephemeris. Dolomiten | Wattenmeer. Fotografien von Georg Tappeiner.“
Es freut mich ganz besonders, dass wir die hohe Ehre haben, den neuen Generalkonsul der Republik Italien unter uns zu wissen, der auch ein Grußwort sprechen wird. Ich freue mich, Exzellenz, Panebianco, dass Sie bei uns sind. Erst wenige Tage im Amt in München. Ein Einstand in München, ein Einstand im Bayerischen Nationalmuseum. Nichts könnte schöner sein. Herzlich willkommen. Ich begrüße Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allen Dingen Ihren Stellvertreter, Herrn Vizekonsul Bampini, sehr herzlich.
Mein Gruß geht aber auch an Herrn Dr. Florian Zerzer, den Direktor der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung der Autonomen Provinz Bozen Südtirol, an Mara Nemela die Direktorin der UNESCO Stiftung Dolomiten, an Herrn Norman Grabow, den stellvertretenden Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.
Alle Genannten werden nachher noch zu uns sprechen. Dafür danke ich schon sehr herzlich.
Mein Gruß geht auch an die Mitglieder des Freundeskreises unseres Hauses. Stellvertretend darf ich den ersten Vorsitzenden, Herrn Philipp Reimnitz begrüßen und seine Stellvertreterin Baronin Herman. Herzlich willkommen!
Ich freue mich, dass viele Vertreter von gesellschaftlichen Einrichtungen hier sind. Zuallererst Einrichtung der Kultur. Ich darf stellvertretend begrüßen Herrn Anton Bibel, den Leiter der Bayerischen Staatsgemälde Sammlungen. Mein Gruß gilt aber auch an die Vertreterinnen der Bayerischen Staatskanzlei und des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.
Es sind Vertreter von Stiftungen hier und wir wissen, wie wichtig Stiftungen sind, damit das kulturelle Leben in Deutschland die Blüte erlebt, die es erlebt. Und ich begrüße stellvertretend den Vorsitzenden der Preetorius-Stiftung, Herrn Dr. Michael Hils.
Es sind viele Medienvertreter unter uns. Auch die seien mit einem herzlichen Willkommen bedacht.
Und nicht zuletzt natürlich die Hauptperson des heutigen Abends. Georg Tappeiner, der Fotograf, dem wir dieser Ausstellung zu verdanken haben. Ich begrüße Sie Herr Tappeiner ganz herzlich an dieser Stelle, auch Ihre Familie und Ihre Assistentin, Frau Franziska Perpmer.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der März 2026 ist quasi ein Knotenpunkt in der Ausstellungspolitik unseres Hauses. In den ersten Tagen dieses Monats sind zwei Ausstellungen zu Ende gegangen, die sich mit Barock, mit barocker Kunst beschäftigt haben oder barocken Dingen. Das Schatzbuch von Sankt Emmeram, barocke Pracht aus Regensburg, hat wunderbare Textilien des 18. Jahrhunderts und Goldschmiedekunst gezeigt. Die Ausstellung Wissensdurst und Aufklärung mit einem Teil des physikalischen Kabinetts der Universität Würzburg hat uns in die wissenschaftlichen Instrumente, die Forschung und Lehre des 18. Jahrhunderts der Aufklärungszeit geführt.
Vor wenigen Tagen erst haben wir drei Säle, vollkommen neu gestaltete Säle unserer Mittelaltersammlung eröffnet und damit eine Entdeckungsreise ins 13., 14. und 15. Jahrhundert eröffnet. Heute etwas ganz anderes. Etwas ganz anderes in der Gattung, in der Zeit, weil es um die Gegenwart geht. Fotografie. Und das ist etwas in vieler Hinsicht Besonderes. Denn alle genannten Ausstellungen hatten es mit Schöpfern zu tun, die längst verblichen sind.
Der heutige Schöpfer und heutige Künstler lebt, er ist unter uns, und man kann ihn sogar befragen. Ich darf vielleicht an dieser Stelle schon sagen, es werden Foto und Filmaufnahmen gemacht. Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden. Und es gibt zu sagen, dass Herr Tappeiner auch morgen schon die erste Führung unternehmen wird. Und wer Lust und Muße hat und Zeit. 18:30, glaube ich, wird Herr Tappeiner durch die Ausstellung führen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Georg Tappeiner, Jahrgang 1964, ein Südtiroler in Meran ansässig, in Südtirol verwurzelt, aber in der ganzen Welt zu Hause. Ein Mann, der London genauso gut kennt wie Mailand, der in der Werbefotografie genauso gut zu Hause ist wie in der Portraitfotografie, der sich seit einigen Jahren aber ganz ausdrücklich der Landschaft widmet. Der Landschaftsfotografie.
Nun könnte man sagen Was kann Neues in der Landschaftsfotografie kommen? Was kann denn in Landschaften noch Neues zu sehen sein? Landschaften, die in der Tourismusbranche, in vielfältigen Werbemedien schon in vielfältiger Weise abgebildet worden sind, die heute in Millionenfacher Ausführung durch Handyshots, die alle von uns machen können, durch das Netz rast oder die auch, wenn es um die beiden Landschaften geht, die ich schon genannt habe Landschaftsräume, Dolomiten und das Wattenmeer, seit 150 Jahren und seit 100 Jahren auf künstlerische Reflexionen künstlerischer Fotografie zurückblicken können.
Viele sagen es Solche Landschaften sind durch die Fotografie ihrer Seele beraubt worden. Das klingt etwas pathetisch, und jeder kann entscheiden, ob das so sein mag oder nicht. Auf jeden Fall gehört Georg Tappeiner zu denen, die versuchen, das zu widerlegen und immer noch etwas Neues zu finden. Man könnte auch sagen, eine authentische Fotografie, die originär und kreativ zugleich ist. In knapp 70 Beispielen, meine sehr geehrten Damen und Herren, können Sie das in unserer Ausstellung bewundern. Ab heute, und das zwei Monate lang.
Es ist ein faszinierender Stimmungsreichtum, der uns in diesen Landschaften entgegenblickt. Es ist ein Stimmungsreichtum zwischen Heroismus und Anmut, und manchmal verschmilzt der Fotograf auch beides miteinander, auf berauschende Art und Weise. Es sind vor allen Dingen aufregende Perspektiven, mit denen er diesen Landschaften begegnet. Weil er seine Ziele nicht zuletzt sehr häufig aus der Luft anpeilt.
Georg Tappeiner favorisiert die Panoramen, aber auch den Blick, den weiten Blick von oben, also das, was eigentlich bis ins Mittelalter dem allmächtigen Gott vorbehalten war, das sich in der frühen Neuzeit aufgelöst hat. Aber auch dann ist der Blick von oben eigentlich dem Fürsten vorbehalten gewesen. Und obwohl wir heute alle viel fliegen, und nicht mehr sollen, aber viel fliegen, ist der Blick von oben immer noch faszinierend.
Und diese Faszination wird in Georg Tappeiners Fotografien auf ganz besondere Weise deutlich. Er nähert sich seinen Bildgegenständen, fliegend und allein das ist schon etwas Besonderes. Aber es sind vor allen Dingen optisch fein austarierte Aufnahmen. Und dafür braucht man nicht nur Gespür, Professionalität. Man braucht auch den Sinn für die besondere Atmosphäre.
Man braucht Erfahrung und man muss warten können auf den richtigen Augenblick. Sensibilität und Gespür, wie gesagt, ist das eine, das Warten können des anderen. Georg Tappeiner verbindet in seinen Fotografien damit eigentlich zwei Menschheitsträume:: das Fliegen, das Sehen der Welt von oben und das Festhalten des schönen Augenblicks. Wir kennen alle noch Faust: Verweile doch, du bist so schön. Georg Tappeiner ist einer, der daran arbeitet. Das Festhalten des schönen Augenblicks. Das zeichnet jedenfalls viele, nicht alle, aber viele seiner Impressionen aus. Dass sie den weiten Blick schulen und für uns eröffnen.
Er erwartet diesen Blick, er erspäht ihn und er hält ihn fest. Das ist eine hohe Qualität. Er verbindet. Und das ist vielleicht etwas, was ihn auch mit der Kunstgeschichte andere Medien verbindet. Etwas, das wir gerne Romantik nennen. Sie werden es an bestimmten Bildtopoi sehen. Nebel sind da, es sind weite Blicke, es sind Sonnenauf- oder Untergänge. Alles das, was wir auch aus der romantischen Malerei kennen, nimmt er bewusst oder unbewusst auf und stellt sich damit in eine Traditionskette.
Es ist eine Romantik ohne Sentimentalität.
Was vielleicht auch noch bemerkenswert ist. Es ist eine Schule des Sehens. Georg Tappeiner kombiniert zwei ganz unterschiedliche Landschaften. Und manchmal gibt er uns ein Rätsel auf. Auf den ersten Blick zumindest. Ob wir in ein Gebirge oder in eine Meereslandschaft blicken.
Es ist die scheinbare Abwesenheit von Zivilisation, die seine Aufnahmen ausmacht. Aber wenn man ganz genau hinschaut, wird man immer wieder kleine Merkmale von Zivilisation erkennen. Es ist also eine Fotografie, die nicht auf den ersten Blick lesbar ist, die uns neugierig macht, immer neugieriger, um sie zu enträtseln. Und es ist die Stille, die aus seinen Fotografien spricht und etwas, was diese Ausstellung vielleicht auch zu einem ganz meditativen Ort werden lassen kann. In den nächsten acht Wochen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man kann sich natürlich fragen, warum plötzlich ein Südtiroler Fotograf im Bayerischen Nationalmuseum. Ich will nicht sagen, dass Südtirol ja auch mal zu Bayern gehört hat. Damit berührt man vielleicht eher dunkle Seiten der Geschichte. Aber ich will Ihnen einfach erzählen, wie es zustande kam. Exzellenz, Als Ihr Vorgänger Sergio Maffettone den Antrittsbesuch im Bayerischen Nationalmuseum gemacht hat, war seine Idee, ob man nicht etwas tun kann, um die kulturellen Beziehungen etwas zu intensivieren. Natürlich, wer Sergio Makedone kennt, weiß, er kommt aus Neapel. Er hatte zunächst einmal unsere grandiose Krippensammlung im Sinne. Denn es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn wir sagen, dass die schönsten und größten Krippen des 18. Und 19. aus Neapel im Bayerischen Nationalmuseum beheimatet sind. Aber wir kamen im Gespräch noch etwas ganz anderes weg aus dem 18. und 19. Jahrhundert in die Gegenwart. Und er hat einen Fotografen empfohlen, mit dem wir dann Kontakt aufgenommen haben, gegenseitig. Und so kam es dann, über mehr oder weniger kurze Zeit zu einer Idee, die Sie heute erleben können. Die Idee, Dolomiten und Wattenmeer zusammenzubringen in den Fotografien von Georg Tappeiner.
Diese beiden Landschaftsräume sind ja eigentlich oder scheinbar beziehungslos, sie liegen weit voneinander entfernt. Das eine ist ein Gebirge, das andere eine Küstenregion der Nordsee. Aber natürlich gibt es Beziehungen, auch die Dolomiten, oder wo sich die Mieten heute befinden, gab es einst ein warmes Meer. Und deswegen verbindet geologisch sehr viel diese beiden Landschaftsräume. Darüber hinaus gibt es aber auch eine ganz junge Beziehung. Denn vor 17 Jahren, im Jahr 2009, wurden beide Landschaftsräume an einem Tag in die Welterbeliste Weltnaturerbe Liste der UNESCO aufgenommen.
Georg Tappeiner wird vielleicht nachher oder andere Redner werden etwas sagen, was das für ein Impuls war, diese beiden Landschaften miteinander in Beziehung zu setzen.
Wir bringen also diese beiden Landschaften hier dank Georg Tappeiners in einen assoziativen Dialog. Aber der Dialog wird sogar noch erweitert, indem wir Objekte des Bayerischen Nationalmuseums als kulturgeschichtliche Perspektive dazustellen. Sie können das ganz einfach unterscheiden: Alle Werke von Georg Tappeiner sind zweidimensional, alle Werke des bayerisch Nationalen sind dreidimensional. Und ich bin gespannt, ob sie merken, welche hintergründigen Gedanken bei diesem Dialog eine Rolle gespielt haben.
Georg Tappeiner hat „Ephemeris“ gewählt. Er hat ein Tagebuch, ein bildhaftes Tagebuch geschrieben. Und er wird vielleicht in diesem Tagebuch nachher noch etwas sehen. Auf jeden Fall dürfen wir für acht Wochen in diesem Tagebuch blättern.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, zum Schluss bleibt mir Dank zu sagen, natürlich an allererster Stelle an den Fotografen, einen Künstler, Georg Tappeiner. Danke ihm und seiner Assistentin für die konstruktive Zusammenarbeit und für das Ergebnis, das wir zusammen heute Abend eröffnen können.
Ich danke ganz herzlich, aber auch den Sponsoren, denn sie alle wissen, Ideen und Kunst ist schön, aber wenn man sie aus materiellen Gründen nicht verwirklichen kann, dann fehlt hier etwas. Und insofern gilt mein ganz herzlicher Dank der UNESCO Stiftung Dolomiten. Mein Dank gilt der autonomen Provinz Bozen Südtirol. Mein Dank gilt der G&D Staschitz GmbH in Meran, ich darf in diesem Zusammenhang Herrn Gregor Staschitz auch unter uns begrüßen. Und mein Dank geht als Medienpartner an National Geographic. Auch meinen Dank hinsichtlich der leider erkrankten Frau Eilers, die heute hier sprechen wollte, dass Sie auf dem Programm noch finden. Aber es sind einige andere Mitarbeiter von National Geographic hier. Insofern mein ganz herzlicher Dank für diese Medienpartnerschaft.
Aber mein Dank gilt natürlich auch, Sie wissen das alle, an einem Eröffnungsabend steht immer einer des Hauses hier und viele haben daran mitgewirkt. Mein Dank gilt natürlich auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich kann und will nicht alle nennen. Es wäre zu lange, dann würden wir zu lange heute Abend hier sitzen. Aber einige doch auch namentlich zu ihrem Gehör bringen. Das ist an allererster Stelle. Frau Dr. Christina Mösl, die Leiterin unserer Abteilung Konservierung Restaurierung, die mit kühlem Kopf und sanfter Hand die Koordination dieser Ausstellung übernommen hat, den Aufbau koordiniert hat und alles reibungslos bis zur Eröffnung hinter sich gebracht hat. Und das wäre, glaube ich, ohne Ihre sanfte Hand so nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank! Ich danke dem Museumsbetriebsdienst mit seinem Leiter, Herrn Günther Beisser. Ich danke den Werkstätten, ganz besonders der Schreiner Werkstatt, Herrn Rudolf Saxer und Herrn Christoph Ben, Marcus Herdin und Sergej Iwanow, Meistern in der Beleuchtung, die eigentlich im Haus teilweise etwas ganz anderes machen: Herr Herdin, präventive Konservierung, hat sich aber zum Meister in der Beleuchtung von Kunstwerken entwickelt. Insofern ganz herzlichen Dank für diese Querschnitts-Nebenaufgabe. Ein ganz besonderer Dank gilt auch an Katrin Reichenbach, der Leiterin unserer Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Sie haben sie vielleicht schon im Haus gesehen, mit einem Namensschild, die weit über das, was die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei Ausstellungen macht, in dieser in diesem Projekt beteiligt waren, ist von Anfang an sehr engagiert begleitet hat. Ich danke Vera Schmidt, die die Werbemedien gestaltet hat, unserer Mediendesignerin und die heute Abend auch am Eingang stand, die auch die Beschriftung in der Ausstellung gestaltet hat. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt. Deswegen auch allen anderen noch mal herzlichen Dank. Insbesondere meine Assistentin Frau Nina Ballhausen, aber auch der Dokumentation, der Verwaltung, der Sicherheit und vielen anderen Mitarbeitern und Mitarbeitern.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich freue mich, Ich habe es schon gesagt, die nächsten zwei Monate auf Gipfel und Meer - und das in einer ungewöhnlichen Beziehung. Ich freue mich auf die Führung mit dem Künstler morgen und am Pfingstsonntag.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Ausstellung und wünsche Ihnen beim Umtrunk nachher vielleicht noch nette, instruktive, interessante Gespräche. Noch einmal herzlich willkommen! Schön, dass Sie da sind.
München, 25.03.2026