EPHEMERIS Stimmen zur Ausstellung

 

„Bemerkenswert ist der Stimmungsreichtum in Tappeiners Fotografien. Er reicht vom Heroismus bis zur Anmut und vermag erstaunlicherweise auch beide Charakteristika zu verschmelzen. Ungemein fesselnd sind die aufregenden Perspektiven, aus denen er seine Motive anpeilt. Eine besondere Faszination geht von den umwerfenden An- und Aussichten aus: Da sich der Fotograf dem Gegenstand seiner Aufmerksamkeit oft fliegend nähert, behauptet er insbesondere angesichts seiner Favorisierung von Panoramen und des weiten Blicks „von oben“ einen originären Platz in der aktuellen Landschaftsfotografie. Solch außergewöhnliche, optisch fein ausbalancierte Aufnahmen erfordern nicht nur eine professionelle Ausrüstung und ein hohes Maß an Erfahrung, sondern auch die Sensibilität für Atmosphäre und das Gespür für den richtigen Augenblick. Nun freue ich mich auf Wochen anregender Korrespondenzen, Brücken und Dialoge zwischen diesen Werken und jenen des Bayerischen Nationalmuseums!“, Dr. Frank Matthias Kammel, Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums

 

„Wer – wie ich – das Glück hat, aus den Dolomiten zu stammen, den lässt diese Bergwelt sein Leben lang nicht los. Die Erlebnisse, die Gefühle, die Bilder. Von Wanderungen im Sommer, von Skitouren im Winter. Von Weite und Wildnis und Freiheit da oben, wie es sie „unten“ nicht gibt. Von Lichtspielen und Wolkensymphonien. Von Stille und Sternen. Ein Meer von Erinnerungen und Glückserfahrungen, das sich am Horizont verläuft. Als ich nun in München staunend vor Georg Tappeiners neuesten Fotographien stand, frohlockten all meine Sinne: Ja, so sind die Dolomiten! So einladend heiter und betörend großartig, dass man sofort die Bergschuhe anziehen und losgehen möchte. So unnahbar himmelstürmend im nächsten Augenblick, dass man nur noch klein und demütig zu diesen Majestäten aus Stein und Licht und Wolken aufschaut. So geheimnisvoll verschleiert zuweilen, dass man meint, gleich eines der Sagenwesen, die  da oben hausen sollen, aus einer nebelverhangenen Schlucht huschen zu sehen…Es sind Fotos, nein: Bilder von grenzenloser Harmonie, gesehen mit staunenden, bewundernden Augen. Bilder, die uns das Herz aufgehen und immer wieder aus neue ahnen lassen, woraus die Ewigkeit besteht: aus Myriaden solcher Momente der Schönheit.“, Erwin Brunner, Autor und Chefredakteur National Geographic von1999 bis 2014

 

"Ob man hier eine Realität oder eine sehr elegante Form der Kontrolle sieht, ist eine extrem interessante Frage. Denn augenscheinlich sieht man die Realität, aber schon beim zweiten Blick bemerkt man, dass diese Realität geformt ist, sie ist vor allem sehr, sehr stark von Licht geformt – aber ohne, dass diese Formung zu weit getrieben wäre. Es ist nicht die klassische, harte Naturfotografie, der wir hier begegnen, sondern etwas Ruhiges, Leichtes, durch Stimmung Geformtes. Georg Tappeiner versteht es ganz wunderbar, die Natur einzufangen, die Natur aber auch so zu belassen, nichts draufzugeben, was vielleicht da gar nicht hingehört. Das ist eine große Eigenschaft. Ich kenne Georg auch persönlich und schätze an ihm genau diese Eigenschaft, Menschen, Welten, Landschaften so zu belassen, wie sie sind, aber dennoch unter einem ganz bestimmten Licht zu betrachten. Die Fotografien sind auch keineswegs zu still, im Gegenteil, die Ruhe, die in der Landschaft steckt, die ausgestrahlt wird, hat eine ganz besondere Ansteckung, die sich auch auf den Betrachter überträgt. Georg Tappeiner ist ein moderner Romantiker", Werner Siefer, Autor und Chefredakteur National Geographic von 2020 bis 2024

 

„Was nun die Arbeitsweise von Georg Tappeiner angeht, so möchte ich ihn als einen Wegelagerer des Zufalls beschreiben. Gewiss, dem gehen vielfältige Vorbereitungen voraus, Logistik, Recherchen, Kontakte, all das ist unerlässlich. Sind wir jedoch einmal unterwegs, übernimmt ein anderer das Steuer, ein notorisch unzuverlässiger Kollege und dennoch unser wertvollster Verbündeter, der Zufall. Das Beste am Unterwegssein ist das Unverhoffte. Das aber lässt sich weder steuern noch erzwingen. Solange es uns nicht touchiert, wirken wir verträumt und unentschieden; das ist unsere Art, auf der Hut zu sein. Die Kunst besteht darin, dem Zufall Raum zu geben und, wenn er sich denn ereignet, guten Mutes auf ihn zuzugehen.“, Stefan Schomann, Autor und Journalist u.a. für Geo

 

„Für mich ist die Eröffnung dieser Ausstellung ein besonderer Moment. Fotografien entstehen oft in sehr stillen, sehr persönlichen Augenblicken. Jetzt verlassen sie diesen stillen Raum und treten in Dialog mit den Besuchern des Museums. „Ephemeris“ eine Zeiteinheit und zugleich ein Tagebuch: zwei Begriffe, die Fotografie treffend beschreiben. Denn jedes Bild ist ein notierter Moment, ein kurzer Ausschlag der Zeit, der im selben Augenblick vergeht und doch bewahrt bleibt. So wird die Fotografie selbst zu einem ephemeren Tagebuch des Lichts.“, Georg Tappeiner, Fotograf

„Manchmal braucht es gar nicht viel – nur einen kleinen Moment der Aufmerksamkeit – und eine Landschaft zeigt uns plötzlich etwas, das wir vorher noch nicht gesehen haben.“, Georg Tappeiner, Fotograf

 

„Es war mir eine große Ehre, an der Realisierung dieser bedeutenden Ausstellung des italienischen Künstlers Georg Tappeiner mitzuwirken, der uns mit seinen fotografischen Arbeiten auf eine Reise durch Zeit und Raum mitnimmt und die tiefe Erinnerung der Landschaften sichtbar macht.
Die Ausstellung, die im Bayerischen Nationalmuseum in München präsentiert wird, lädt uns dazu ein, über das Verhältnis zwischen Landschaft, Geschichte und Wandel nachzudenken und dabei alte natürliche Verbindungen zwischen heute weit voneinander entfernten Regionen ins Bewusstsein zu rufen.
Insbesondere der Verweis auf das Wattenmeer mit seinen Gezeiten, seinen sich ständig wandelnden Flächen und seiner schwebenden Existenz zwischen Land und Wasser wird zu einer kraftvollen Metapher für ein Europa, das trotz aller Unterschiede gemeinsame, tief verwurzelte Grundlagen bewahrt – ebenso vielschichtig wie die Landschaften selbst.“, Sergio Maffettone, ehemaliger Generalkonsul der Italienischen Republik in München und jetziger Botschafter der Italienischen Republik in der Dominikanischen Republik
 

"Bei der Betrachtung von Naturfotografie spielt heutzutage stehts unmittelbar auch der ökologische Aspekt der Vergänglichkeit eine Rolle. Die Vergänglichkeit an und für sich ist auch in der Restaurierung-Konservierung selbstredend ein großes Thema – ein Beruf, der sich mit der Verlangsamung von Alterungsprozessen auseinandersetzt.", Kristina Mösl, Leitung Abteilung Konservierung Restaurierung des Bayerischen Nationalmuseums

 

„Stichwort: Es werde Licht - Gemeinsam mit Georg Tappeiner haben wir versucht den Bildern, auch noch sozusagen das letzte Licht zu geben. Viele Bilder haben nicht nur einen Stahler auf sich gerichtet, sondern mehrere, damit man die Feinheiten entsprechend der ursprünglichen Intention des Fotografen herausarbeiten kann.“, Marcus Herdin, Fachbereich Präventive Konservierung und Baubetreuung des Bayerischen Nationalmuseums

 

„Es ist mir eine große Freude, in meiner Eigenschaft als Generalkonsul Italiens in München an der Eröffnung der Fotoausstellung ‚Dolomiten – Wattenmeer‘ von Georg Tappeiner teilzunehmen, die in diesem außergewöhnlichen Ort der Kultur, dem Bayerischen Nationalmuseum, präsentiert wird. Diese Initiative stellt ein wunderbares Beispiel für den kulturellen Dialog zwischen Italien und Deutschland dar.“, Fausto Panebianco, Generalkonsul der Italienischen Republik in München

 

 “„Ephemeris – Dolomiten | Wattenmeer. Georg Tappeiner Fotografien.“ ist mehr als eine Ausstellung: Sie macht Landschaften zur Kunst im freien Raum und setzt im Bayerischen Nationalmuseum München ein Zeichen für einen dialogischen, kulturübergreifenden Blick. Georg Tappeiner schafft mehr als 50 Großformate, die zwei UNESCO-Welterbe-Geschichten zu einer gemeinsamen Bildsprache verschmelzen und eine Brücke zwischen Italien und Deutschland schlagen – eine bildnerische Begegnung europäischer Räume, die UNESCO-geschützte Landschaften in den Mittelpunkt rückt.“, Philipp Achammer, Landesrat

 

„Die Dolomiten und das Wattenmeer sind zwei bedeutende Welterbestätten – auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, doch sie haben viel gemeinsam. Beide Gebiete sind attraktive Reiseziele, bei denen nachhaltiger Tourismus eine zentrale Rolle spielt. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist essenziell für Führung und Erhaltung: Das Wattenmeer erstreckt sich über Dänemark, Deutschland und die Niederlande; die Dolomiten UNESCO-Weltnaturerbe umfassen drei Provinzen (Bozen, Trient, Belluno) und zwei Regionen (Veneto und Friuli Venezia Giulia). Und nicht zuletzt sind die Dolomiten Sedimentgesteine, die in einer historischen Meeresumgebung entstanden sind. Unser Auftrag ist es, dieses Erbe für die nächste Generation zu bewahren –auch durch Kooperationen mit anderen Welterbestätten, Austausch und gemeinsames Lernen. Wir arbeiten eng mit der Welterbestätte Wattenmeer zusammen. Nicht nur Kultur, sondern auch Natur verbindet.“, Dr. Florian Zerzer, Direktor der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung der Autonomen Provinz Bozen–Südtirol

 

"Im ersten Moment öffnen sich die großen, weiten Landschaften der Fotos wie ein stiller Atemzug – und sie treten in Resonanz mit jener inneren Weite, die wir in uns tragen, mit jener leisen Sehnsucht nach Unendlichkeit, die uns manchmal überfällt, wenn wir den Horizont suchen. Doch im zweiten Moment verwandelt sich das Bild: Es wirft uns sanft zurück in die Kindheit, versetzt uns vor ein Wimmelbuch, in dem die Augen nicht ruhen können. Wir folgen den Formen und Konturen, verlieren uns für einen Augenblick im Dickicht der Einzelheiten – und plötzlich stoßen wir auf versteckte Überraschungen: ein winziges Schaf auf der Wiese, ein Mensch, mit ausgebreiteten Armen, eine Aussichtsplattform so zart und klein, dass man sie erst beim zweiten Hinsehen entdeckt. So wird jedes große Bild zum stillen Abenteuer, zum Suchen und Finden wie in den Wimmelbildern der Kinderbücher – ein Spiel zwischen Weite und Versteck, zwischen Traum und liebevollem Detail."  Leo Hilpold, Direktor Amt für Natur der Autonomen Provinz Bozen–Südtirol

 

„Als Verantwortliche für das Welterbe haben wir eine Aufgabe. Wir wollen die Bedeutung dieser Schönheit vermitteln. Schönheit ist nicht einfach ein Selfie. Sie ist ein Wert, den es zu entdecken, zu vertiefen und zu pflegen gilt. Hier kann Kunst helfen. Die Fotografien in dieser Ausstellung laden uns dazu ein, genauer hinzuschauen. Sie verleihen dem, was wir sehen, mehr Tiefe. Die Ausstellung macht deutlich, wie einzigartig und wertvoll diese Landschaft ist, und gibt uns den Ansporn, uns darum zu kümmern.“, Mara Nemela, Direktorin der Stiftung Dolomiten UNESCO

 

„Alles, außer gewöhnlich. Weltnaturerbe-Stätten bewahren nicht nur einzigartige Natur, sie verbinden auch Menschen. Im Wattenmeer schreibt jedes Hochwasser die Landschaft neu: Sedimente wandern, es wirken die Kräfte des Windes. Nur die Veränderung bleibt beständig. Aus einem Sandkorn kann eine Insel entstehen. Für die Anerkennung als Weltnaturerbe gilt u. a. das Kriterium: „Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung“, hierauf ging jedoch der Antrag des Wattenmeeres 2009 nicht näher ein. Ein historischer Irrtum, wie die Bilder dieser Ausstellung eindrucksvoll zeigen: Ja, auch das Wattenmeer ist von außergewöhnlicher Schönheit.“ Normann Grabow, Stellvertr. Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer

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